Totholz im Wirtschaftswald:
Wieviel hat es und wieviel braucht es?
Entwicklung einer Methode zur Totholzquantifizierung mittels Luftbild
& GIS und Totholzzielwerte gemäss den Habitatsansprüchen
des Dreizehenspechts.
Rita Bütler Sauvain
Totholz ist ein bedeutender Indikator für Artenvielfalt im
Ökosystem Wald. Zahllose Insekten, Vögel, Pilze und Flechten
hängen in ihrem Lebenszyklus ganz oder teilweise von toten
Bäumen ab. Die moderne nachhaltige Waldwirtschaft muss deshalb
– ausser für gesunde Bäume – auch für
genügend Totholz sorgen, um dadurch die biologische Vielfalt
zu fördern. Heutzutage weiss man allerdings nicht genau, wie
viel Totholz dafür eigentlich nötig ist. Auch fehlen zur
Zeit noch kostengünstige Methoden für die Totholzquantifizierung.
Diese ist aber unerlässlich, will man die Fortschritte Richtung
Erhaltung oder Wiederherstellung der Artenvielfalt messen. Die vorliegende
Studie hat sich darum folgende Ziele gesetzt: Erstens soll eine
rationelle Methode für die mengenmässige Erfassung von
stehenden, toten Bäumen entwickelt werden. Zweitens sollen
ökologisch sinnvolle Totholz-Zielwerte formuliert werden. Die
erwähnte Methode stützt sich auf Infrarot-Luftbilder und
ein Geografisches Informationssystem (GIS) und ist speziell für
den Fichtenwald ausgearbeitet worden. Sie dient zur Anfertigung
von Totholz-Karten und zur Berechnung der Totholzdichte pro Flächeneinheit
(z.B. Hektare). Tote Fichten mit einem Durchmesser von = 25 cm können
mit einer Genauigkeit von ± 1 Baum pro Hektare erfasst werden.
Diese Luftbild-GIS-Methode ist viel schneller als herkömmliche
Feldmethoden. Für die Festlegung von Richtlinien für Totholzmengen
könnte man sich z.B. an Ur- und Naturwäldern orientieren.
Jedoch sind deren Totholzmengen manchmal so extrem hoch –
bis zu 30% des stehenden Vorrats –, dass sie als Richtwerte
für bewirtschaftete Wälder nicht in Frage kommen. Einen
anderen Weg können Tiere und Pflanzen zeigen, die besonders
stark von toten Bäumen abhängen, im Fichtenwald z.B. der
Dreizehenspecht. Darum haben wir uns für die Ermittlung von
ökologisch sinnvollen Totholz-Zielwerten an den Lebensraumansprüchen
dieser Vogelart orientiert. Dieser Specht wurde zudem in früheren
ökologischen Untersuchungen als Zeigerart für Merkmale
natürlicher Fichtenwälder und hoher Artenvielfalt erkannt.
Wir führten eine Feldstudie in der Schweiz und in Schweden
durch, um die genauen Totholzansprüche des Dreizehenspechts
in subalpinen Fichtenwäldern und borealen Nadelwäldern
zu untersuchen. In beiden Fällen fanden wir eine klare Beziehung
zwischen zunehmender Totholzmenge und der Wahrscheinlichkeit, dass
ein Spechtterritorium besetzt ist.
|